Der Cost-Average-Effekt einfach erklärt

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Letzte Aktualisierung: 2019

Das Wichtigste in Kürze
  • Wenn Sie ein bestimmtes Finanzprodukt zu fest definierten Zeitpunkten kaufen (zum Beispiel jeden 1. eines Monats), sorgt der Cost-Average-Effekt dafür, dass unterm Strich ein Durchschnittspreis herauskommt.

Der Cost-Average-Effekt findet sich in der Finanzwelt auch oft als Durchschnittskosteneffekt wieder. Hierbei benennen Finanzexperten die Auswirkungen einer Verteilung einer Anlage, wobei ein längerer Zeitraum unter die Lupe genommen wird. Dies trifft beispielsweise bei Fondssparplänen zu, bei denen in gleichbleibenden Beträgen regelmäßig angespart wird – bei schwankenden Kursen. In Niedrigkurs-Phasen erfolgt hier automatisch der Kauf von mehr Anteilen als zu Hausse-Zeiten, wenn also hohe Kurse für die Papiere gelten. Somit befinden sich in der Regel im Bestand immer mehr günstiger erworbene Wertpapiere. Mit dem Durchschnittskosteneffekt soll ein Effekt durch die regelmäßige Anlage gleichbleibender Beträge in Wertpapiere entstehen.

Die jeweiligen Wertschwankungen der Wertpapiere sorgen hierbei dafür, dass der Anleger im besten Fall seine Anteile durchschnittlich günstiger erhält – bei gleichbleibenden Raten – als beim regelmäßigen Kauf von Anteilen der gleichen Menge zu Preisen, die unterschiedlich hoch sind aufgrund der Schwankungen. Wenn nämlich die Anteilspreise höher sind, erfolgt automatisch der Kauf von weniger Anteilen, während bei niedrigeren Preisen dementsprechend mehr Anteile gekauft werden. Somit bezahlt der Anleger pro Anteil oder Aktie das harmonische Mittel des Kurses. Im besten Falle liegt dieses etwas unterhalb des arithmetischen Mittels, das der Anleger bei einem regelmäßigen Kauf der gleichen Stückzahlen hinblättern müsste.  

Die Einsatzgebiete des Cost-Average-Effekts

Wie schon kurz angeführt, kommt dieser Effekt insbesondere bei Fondssparplänen zum Einsatz. Deswegen verwundert es auch nicht, dass sich der Durchschnittskosteneffekt oft in der Werbung für Fondssparpläne zur Anwendung kommt. Allerdings müsst Ihr dabei beachten, dass die höheren Gewinne im Vergleich zur einmaligen Einlage nur dann erfolgen, wenn es sich um eine negative mittlere Rendite handelt. Denn bei einer positiven mittleren Rendite ist natürlich die Einmalanlage die gewinnbringendere Alternative. Es kommt also immer auf die Konstellation an, ob die Einmalanlage oder der Cost-Average-Effekt die bessere Rendite bietet.

Grundsätzlich gerät beim Cost-Average-Effekt der beste Zeitpunkt des Kaufs ein wenig in den Hintergrund. Schließlich kommt dem Timing keine allzu hohe Bedeutung zu, Timing-Fehler können vermieden werden. Allerdings verzichtet der Anleger zur gleichen Zeit auf die Möglichkeit, Profit zu ziehen aus dem besten Zeitpunkt der Käufe und Verkäufe der Wertpapiere.

Psychologische Wirkung nicht unterschätzen

Dabei muss beachtet werden, dass der Durchschnittskosteneffekt immer auch eine psychologische Wirkung hat. Denn Verluste sehen am Anfang weniger schlimm aus, zudem mindert er am Anfang die Volatilität der Anlage. Dafür sorgt der Anleger mit dem Verzicht auf Erträge. Unter dem Strich also entsteht eine durchaus interessante psychologische Wirkung, da schließlich der anfängliche Kurs je nach Situation des Marktes steigt oder fällt. Somit kommt es beim ersten tiefen Fall des Wertes zu keinen allzu großen Verlusten im Depot. Somit kommt es durchaus zu einer Verwässerung der Gewinne und Verluste.

Wann ist es nicht sinnvoll, den Cost-Average-Effekt zu nutzen?

Wie schon angeführt, macht es vor allem bei Fondssparplänen Sinn, den Cost-Average-Effekt zu nutzen. Dahingegen ist es beispielsweise bei der Investition in Immobilienfonds oder Staatsanleihen nicht sinnvoll, auf den Durchschnittskosteneffekt zu setzen. Denn hier verläuft die Entwicklung in der Regel doch eher konstant. Somit ist es meist weniger möglich, zwischendurch günstiger Anteile zu kaufen. In diesem Fall ist es von daher sinnvoll, am Anfang eine große Einmalzahlung zu leisten und den Fonds danach langsam arbeiten zu lassen.

Eine konkrete Beispielrechnung

Nach der ganzen Theorie blicken wir nun einmal im Detail auf Zahlen. Wir gehen von einer Aktie aus, die folgende Kurse aufbot

  • Zeitpunkt 1: 200 Euro
  • Zeitpunkt 2: 300 Euro
  • Zeitpunkt 3: 100 Euro
  • Zeitpunkt 4: 200 Euro
  • Zeitpunkt 5: 100 Euro
  • Beispiel 1: 1.000 Euro – Einmalanlage zum Zeitpunkt 1 –> 5 Aktien
  • Beispiel 2: 1.000 Euro – Zu jedem der fünf Zeitpunkte jeweils 200 Euro – 1 + 0,67 + 2 + 1 + 2 -> 6,67 Anteile

Somit haben Sie bei diesem Beispiel mit dem Cost-Average-Effekt den Vorteil auf Ihrer Seite. Denn hier können Sie mit der gleichen Investitionssumme 1,67 Aktien mehr erwerben. Wenn Sie aber beispielsweise zu den Zeitpunkten 3 oder 5 die Einmalanlage genutzt hätten, hätten Sie allerdings 10 Anteile kaufen können.   

Wann ist ein Cost-Average-Effekt ertragreich?

Somit stellt sich anhand dieses Beispiels eine entscheidende Frage: wann zahlt sich der Cost-Average-Effekt eigentlich aus? Dies hängt natürlich vor allem von der weiteren Entwicklung des jeweiligen Wertpapiers ab. Wenn nämlich das entsprechende Wertpapier im Wert kontinuierlich ansteigt, ist der Sparplan die eher schlechtere Strategie. Denn das Wertpapier wird immer teurer und Ihr könnt weniger Anteile kaufen, sodass die einmalige Investition zu Beginn die bessere Alternative darstellen sollte.

Dahingegen lohnt sich der Cost-Average-Effekt auf der anderen Seite bei fallenden Kursen, wenn also die Anteile im Laufe der Zeit günstiger werden. Denn so können im Laufe der Zeit mehr Anteile nachgekauft werden. Jedoch stellt sich für manche Anleger oft die Frage zwischen Einmalanlage oder regelmäßigem Sparen nicht. Denn meist kommt der Cost-Average-Effekt eher zum Einsatz, um die Investment-Volatilität zu reduzieren.

Kritik am Cost-Average-Effekt

Der Cost-Average-Effekt ruft mitunter auch einige Kritiker auf den Plan. Diese führen an, dass es sich um ein reines Verkaufsargument beim Durchschnittskosteneffekt handelt. So sollen Sparer dazu gebracht werden, Schritt-für-Schritt größere Beträge zu investieren als es beispielsweise bei einer Einmalanlage der Fall wäre. Zudem argumentieren manche Kritiker, dass der Effekt Widersprüche in sich birgt. Damit eine schrittweise Anlage tatsächlich sinnvoll sein kann, müsste ein Anleger zu jeder Zeit sämtliche Aktien verkaufen und sie danach Schritt-für Schritt zurückkaufen. Somit würden bei dieser Strategie der Verkauf und der Zukauf zur gleichen Zeit empfohlen, was jeder Logik entgegensteht. 

Langfristiger Erfolg zweifelhaft

Grundsätzlich kann der Cost-Average-Effekt durchaus Vorteile bringen. Allerdings trifft das nur auf kurzfristige Anlagen zu. Langfristig nämlich verliert der Durchschnittskosteneffekt definitiv an Bedeutung. Schließlich erhöht sich der Depotwert im Laufe der Zeit stetig. Eine einzelne Rate ist somit von Monat zu Monat ein kleinerer Bruchteil des gesamten schon investierten Kapitals. Dies sorgt dafür, dass die Schwankungen des Kurses des Wertpapiers definitiv immer weniger abgefedert werden. Unter dem Strich verliert der Cost-Average-Effekt somit definitiv an Wert. Dies solltet Ihr stets bedenken. Hinzu kommt ein weiterer Fakt. Wenn die Kurse einer Aktie tatsächlich einbrechen, bekommen es zahlreiche Anleger doch eher mit der Angst zu tun und lösen Ihre Sparpläne auf.

Fazit: Die psychologischen Vorteile im Mittelpunkt des Cost-Average-Effekts

Wie wir zuvor aufgezeigt haben, kann sich der Cost-Average-Effekt in einigen Situationen durchaus positiv auswirken. Insbesondere wenn die Kurse fallen oder gar einbrechen oder wenn Ihr nur kurze Zeit einen Sparplan verfolgt. In den meisten Fällen allerdings ist die Einmalanlage im Vorteil. Zwar profitiert Ihr mit dem Durchschnittskosteneffekt den Vorteil im Vergleich zur Einmalanlage, dass das harmonische Mittel rein mathematisch gesehen etwas unterhalb des arithmetischen Mittels liegt. Der entscheidende Vorteil des Cost-Average-Effekts ist jedoch die Psychologie. Denn hier besteht der Vorteil, dass Ihr für eine Minderung der Gefahr eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts sorgt.

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Sebastian Neumer

Sebastian ist seit Beginn im Jahr 2016 dabei. Der begeisterte Privatinvestor und Fintech-Enthusiast schreibt regelmäßig Artikel in den Bereichen Geldanlage & Finanzen. Nach seinen Jahren im Sales-Bereich und simultanem Studium der Wirtschaftswissenschaften, entschied er sich, sein erworbenes Wissen als Finanzjournalist weiterzugeben.