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    Steuern auf Wertpapiere in Deutschland: So werden Investitionen & Trades versteuert

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    Letzte Aktualisierung: 2019

    Das Wichtigste in Kürze
    • Auf Gewinne aus Investition (Aktien, ETFs, Anleihen, Fonds, ...) wird in Deutschland der Steuersatz von 25 % angesetzt
    • Auf Spekulationen (CFDs, Forex, Futures, ...) kommt der persönliche Einkommenssteuersatz (25 % - 55 %) zum Tragen.
    • Kryptowährungen sind steuerfrei, wenn diese > 1 Jahr nicht verkauft oder getauscht werden. Ansonsten wird mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz versteuert.
    • Gewinne und Verluste des gleichen Finanzprodukts innerhalb eines Kalenderjahres können gegengerechnet werden.
    • Bei in Deutschland ansässigen Brokern & Banken wird die KESt. automatisch abgeführt. Bei manueller Abfuhr bei Auslandsdepots gelten die Deadlines (Folgejahr) 30.04. in Papierform und 30.06. wenn es über FinanzOnline erledigt wird.
    • Order- & Depotgebühren schmälern den Gewinn, den KESt.-Betrag jedoch leider NICHT.
    Finanzprodukt
    Steuersatz
    Kommentar
    Aktien, Anleihen, ETFs, Fonds, Dividenden
    27,5 %
    Wird bei Banken & Brokern mit Sitz in Deutschland automatisch abgeführt. Keine Handlung seitens des Anlegers notwendig.
    CFDs, Forex, Futures, Optionen, P2P-Kredite, Crowdinvesting
    Persönlicher Einkommenssteuersatz (18 % - 55 %)
    Spekulationsgewinne werden vom Gesetzgeber nicht als Kapitalerträge eingestuft und fallen zur Einkommenssteuer.
    Kryptowährungen (zB. Bitcoin)
    Steuerfrei bei Haltedauer von > 1 Jahr. Bei Verkauf unter einer Haltedauer von 1 Jahr fällt der persönlicher Einkommenssteuersatz (18 % - 55 %) an.
    Bei Kryptowährungen gelten erfreuliche Regelungen in Deutschland.
    STEUERN

    Kapitalertragssteuer, Einkommenssteuersatz und Spekulationsfrist

    Man möchte meinen, dass jegliche Investitionen und Trades auf die gleiche Art und Weise versteuert werden. Dies ist jedoch nicht der Fall. Welche Steuer und somit auch welcher Steuersatz auf Gewinne fällig wird, ist vom jeweiligen Finanzprodukt abhängig.

    Aktien, ETFs, Fonds, Dividenden, Optionsscheine und Zertifikate: 27,5 % (KESt.)

    Die sogenannte „Kapitalertragssteuer“ von 27,5 % wird auf Gewinne aus Investitionen verrechnet. Als Investition werden Wertpapier gesehen, die normalerweise mit einer langen Haltedauer einhergehen. Dazu zählen Aktien, ETFs, Fonds, Optionsscheine und Zertifikate.

    CFDs, Forex, Futures, Optionen und P2P-Kredite: Persönlicher Steuersatz (25 – 55 %)

    Da typisches Trading aus Sicht des Gesetzgebers in den rein spekulativen Bereich fällt, werden Gewinne aus Finanzprodukten wie CFDs, Forex, Futures, Optionen aber auch P2P-Krediten mit dem persönlichen Einkommenssteuersatz, welcher zwischen 25 % und 55 % liegt, versteuert und es daher keinen fixen Steuersatz gibt. Beim persönlichen Einkommenssteuersatz wird das gesamte Einkommen eines Jahres in einen Topf geworfen und daraus der zu zahlende Steuersatz abgeleitet:

    Einkommenshöhe (Kalenderjahr)
    Steuersatz
    Unter € 11.000
    0,00 %
    € 11.000 bis € 18.000
    25,00 %
    € 18.000 bis € 31.000
    35,00 %
    € 31.000 bis € 60.000
    42,00 %
    € 60.000 bis € 90.000
    48,00 %
    € 90.000 bis € 1.000.000
    50,00 %
    Ab € 1.000.000
    55,00 % (Bis 2020, danach 50 %)
    Quelle: https://www.help.gv.at/Portal.Node/hlpd/public/content/99/Seite.991701.html

    Kryptowährungen: Persönlicher Steuersatz (25 – 55 %) mit Spekulationsfrist

    Für Kryptowährungen gelten aktuell noch Sonderregelungen. Da Bitcoin & Co. aktuell nicht als Währung gilt, wird es als „unkörperliches  Wirtschaftsgut“ eingestuft.

    Werden Kryptowährungen mehr als 1 Jahr lang gehalten, sind Gewinne bei Veräußerung steuerfrei. Findet ein frühzeitiger Verkauf statt, kommt der persönliche Einkommenssteuersatz nach § 27a Abs. 1 Einkommenssteuergesetz (EStG.) zum Tragen und beträgt zwischen 25 % und 55 %.

    Achtung: Nicht nur ein Verkauf der Kryptowährung in Euro, sondern auch der Tausch/Verkauf zwischen zwei Kryptowährungen werden besteuert. Wenn Sie also beispielsweise Ihre Bitcoins in Ethereum tauschen und dabei Gewinn machen, ist dies ein steuerpflichtiger Vorgang. 

    Quelle: https://www.bmf.gv.at/steuern/kryptowaehrung_Besteuerung.html

    Besonderheit bei Nicht-MeldeFonds/ETFs und thesaurierenden ETFs

    Steuer
    BESONDERHEIT
    Therausierende ETFs
    27,5 % KESt. auf alles (Gewinne & Dividende)
    60 % der Substanzgewinne (Dividende & Zinsen) werden sofort versteuert, die verbleibenden 40 % bei Verkauf.
    Leichter Steuervorteil.
    Ausschüttende ETFs
    27,5 % KESt. auf alles (Gewinne & Dividende)
    Keine
    MeldeFonds/ETFs
    27,5 %
    Keine
    Nicht-MeldeFonds/ETFs
    27,5 % auf 90% der jährlichen Kursgewinne bzw. mindestens auf 10 % des ETF-Wertes.
    Steuerlich benachteiligt.

    Auf die Problematik bzw. Steuer-Besonderheiten bei sogenannten „NichtMeldeFonds“ sowie thesaurierenden ETFs sind wir im Detail bereits an dieser Stelle eingegangen.

    Deshalb nur ein Kurzüberblick mit den wichtigsten Details:

    • Bei thesaurierenden ETFs (Ausschüttungen werden reinvestiert), welche Dividenden oder Zinsen abwerfen, werden 60 % dieser sogenannten „Substanzgewinne“ sofort mit dem üblichen KESt.-Satz von 27,5 % versteuert. Die restlichen 40 % davon, sobald Sie den ETF verkaufen. Somit kann ein leichter Steuervorteil ggü. ausschüttenden ETFs erzielt werden, da die Zinserträge höher sein können.
    • Es  gibt Melde- und Nicht-Melde-Fonds bzw. ETFs. Beide Fonds-Arten können aus dem In- oder Ausland kommen. Beim NichtMeldeFonds erfolgt jedoch keine automatische Meldung der Gewinne. In diesem Fall werden 90 % der Kursgewinne, mindestens jedoch 10 % des gesamten Fondswertes am Ende des Kalenderjahres versteuert. Grundsätzlich sind die meisten Fonds aber MeldeFonds und daher steuerlich einfach zu handhaben.

    KESt.-Erhöhung auf 27,5 %

    Der aktuell gültige KESt.-Steuersatz von 27,5 % war nicht immer so hoch und wurde erst mit 01.01.2016 eingeführt. Der alte Steuersatz von 25,00 % gilt seit diesem Tag nur für Einkünfte aus Geldanlagen und nicht verbrieften Forderungen bei Kreditinstituten.

    Bei der Erhöhung der KESt. gibt es allerdings keine Sonderbestimmungen bezüglich Alt- und Neubestand. Jede Veräußerung seit dem 01. Januar 2016 wird bereits mit dem neuen KESt.-Steuersatz von 27,5 % versteuert.

    Quelle: https://www2.deloitte.com/at/de/seiten/financial-services/artikel/erhoehung-kest-2016.html#l

    Steuern fallen nur auf Gewinne an

    Anfänger stellen sich oft die Frage, was denn bei einem Verkauf eines Wertpapiers, welches unter die Kapitalertragssteuer fällt, tatsächlich versteuert wird. Wichtig ist es klarzustellen, dass Steuer immer nur für Gewinne abgezogen werden.

    Dazu ein Beispiel:

    Ein deutscher Anleger kauft 1 Aktie für € 100,00. Der Kurs steigt auf € 101,00 und der Anleger verkauft. Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

    • Der Gewinn beträgt € 1,00
    • 25 % von € 1,00 sind € 0,25 Cent
    • Der Anleger schuldet dem Finanzamt in diesem Beispiel somit € 0,25 Cent

    Wenn Sie keinen Gewinn oder sogar Verlust gemacht haben, fällt keine Steuer an.

    Verluste und Gewinne werden gegengerechnet

    Innerhalb 1 Kalenderjahres (01.01. – 31.12.) können Gewinne und Verluste zwischen Finanzprodukte der gleichen Gattung gegengerechnet werden.

    Das bedeutet im Klartext: Sollten Sie mit der Aktie von Unternehmen A einen realisierten Gewinn von € 500,00 erzielen, machen im gleichen Jahr aber realisierten Verlust mit einer anderen Aktie von Unternehmen B von € 600,00, ergibt dies unterm Strich einen Verlust von € 100,00. In diesem Beispiel würde also keine Steuer anfallen.

    Was Sie allerdings nicht machen können, ist die realisierten Verluste ins nächste Kalenderjahr mitzunehmen.

    KESt.-Abfuhr bei Brokern aus dem Ausland

    Wenn Sie Ihr Depot bei einem Online Broker aus dem Ausland haben, müssen Sie die Kapitalertragssteuer dafür selbständig an das Finanzamt abführen. Die Deadlines dafür sind:

    • Bis spätestens 30. April des darauffolgenden Jahres in Papierform
    • Bis spätestens 30. Juni des darauffolgenden Jahres über FinanzOnline

    Um die KESt. überhaupt zahlen zu können, müssen Sie in FinanzOnline über das Formular „Verf24“ einen Erklärungswechsel vornehmen. Anschließend können Sie im Formular E1 – Beilage E1KV Ihre Wertpapier-Gewinne eintragen.

    Da es nicht ganz unkompliziert ist, werden wir dazu einen gesonderten Beitrag erstellen.

    Können Handelsgebühren vom Gewinn abgezogen werden?

    Es erscheint auf den ersten Blick logisch zu sein, dass Orderkosten oder  Depotgebühren als Aufwand vom Gewinn abgezogen werden können. Dem ist jedoch nicht so. Die Kapitalertragssteuer fällt immer auf den Gewinn ohne Abzug etwaiger Handelsgebühren an. Machen Sie also € 100,00 Gewinn, wird die Steuer auch auf diesen Betrag angesetzt. Völlig unabhängig davon, ob Sie dabei vom Broker Order- oder Depotkosten verrechnet bekommen haben.

    Steuersätze bei Alt- und Neubeständen

    Finanzprodukt
    Anschaffungszeitraum
    Steuersatz
    Aktien, Fonds, GmbH-Anteile
    Kauf vor 01.01.2011 (bis 31.12.2010)
    = Altbestand
    Ansonsten Neubestand
    Keine KESt. auf realisierte Kursgewinne
    Anleihen, Zertifikate und Derivate
    Kauf vor 01.04.2012 (bis 31.03.2012)
    = Altbestand
    Ansonsten Neubestand
    Keine KESt. auf realisierte Kursgewinne
    Anleihen, Zertifikate und Derivate
    Sonderregelung bei Kauf im Zeitraum zwischen 01.10.2011 und 01.04.2012:
    Die Veräußerung gilt als Spekulationsgeschäft.
    Keine KESt. auf realisierte Kursgewinne, muss jedoch im Rahmen der Einkommenssteuerklärung mit dem Sondersteuersatz von 27,5 % versteuert worden.

    Quelle:
    https://www.bmf.gv.at/steuern/Substanzgewinne-bzw-Einkuenfte-aus-realisierten-Wertsteiger.html
    https://www.wko.at/service/steuern/Die-Besteuerung-von-Wertpapieren.html

    Einkünfte aus Wertsteigerungen (Aktien, Investmentfonds, …) als auch Derivaten (Zertifikate, …) unterlagen vor dem Jahr 2011 nicht der Kapitalertragssteuer. Diese Finanzprodukte wurden erst im Zuges des „BudBG 2011“ ergänzt.

    Daraus folgend ergab sich die Einteilung in „Altbestand“ und „Neubestand“. Unter Altbestand fallen Aktien und Fonds, wenn diese vor dem 01.01.2011 gekauft worden sind. Für Anleihen, Zertifikate und Optionsscheine gilt der 01.04.2012. Käufe NACH diesen beiden Daten der genannten Finanzprodukte gelten automatisch als Neubestand.

    Es gibt aber einen Zeitraum, der einer Sonderbestimmung bei Anleihen, Zertifikaten und Optionsscheinen unterliegt: der 01.10.2011 bis 01.04.2012. Wurden die genannten Werte in diesem Zeitfenster angeschafft, gelten diese bei Veräußerung (Verkauf) als Spekulationsgeschäft und werden nicht mit der KESt. versteuert, sondern mit der Einkommenssteuer. Allerdings gilt hier der Sondersteuersatz von 27,5 % und nicht der persönliche Einkommenssteuersatz.

    Sebastian Neumer

    Sebastian Neumer

    Sebastian ist seit Beginn im Jahr 2016 dabei. Der begeisterte Privatinvestor und Fintech-Enthusiast schreibt regelmäßig Ratgeberartikel in den Bereichen Geldanlage & Finanzen. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging es für Sebastian für einige Jahre zu einem bekannten, europäischen Investmentunternehmen, bevor er sich entschieden hat, sein beruflich als auch privat erworbenes Wissen als Finanzjournalist und selbstständiger Anlageberater weiterzugeben.

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    Sebastian Neumer

    Sebastian ist seit Beginn im Jahr 2016 dabei. Der begeisterte Privatinvestor und Fintech-Enthusiast schreibt regelmäßig Ratgeberartikel in den Bereichen Geldanlage & Finanzen. Nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften ging es für Sebastian für einige Jahre zu einem bekannten, europäischen Investmentunternehmen, bevor er sich entschieden hat, sein beruflich als auch privat erworbenes Wissen als Finanzjournalist und selbstständiger Anlageberater weiterzugeben.